Der Import von frischem Obst und Gemüse in die Schweiz unterscheidet sich von einem normalen Einkauf innerhalb des EU-Binnenmarkts. Neben Preis, Qualität und Transport müssen Schweizer Importregelungen berücksichtigt werden.
Gerade bei Produkten, die auch in der Schweiz angebaut werden, kann der geplante Lieferzeitpunkt eine wichtige Rolle spielen. Deshalb sollte eine Beschaffungsanfrage nicht nur Produkt und Preis enthalten, sondern auch den konkreten Lieferzeitraum.
1. Zuerst die Ware eindeutig definieren
Bevor Zoll- oder Kontingentfragen geprüft werden, muss klar sein, was tatsächlich importiert werden soll. Die korrekte Produktspezifikation bildet die Grundlage für Lieferantensuche, Tarifprüfung und Preisvergleich.
2. Was ist eine GEB?
Die Generaleinfuhrbewilligung – kurz GEB – ist eine Identifikationsnummer für den Handel mit bestimmten landwirtschaftlichen Erzeugnissen.
Für verschiedene frische Obst- und Gemüsearten, die für den Schweizer Anbau relevant sind, ist bei der Einfuhr eine GEB erforderlich. Die entsprechende Nummer muss bei der Zollanmeldung angegeben werden.
Die GEB wird über die Fachanwendung eKontingente des Bundesamts für Landwirtschaft beantragt.
3. Was ist eKontingente?
eKontingente ist die elektronische Anwendung des BLW zur Verwaltung verschiedener agrarischer Importkontingente.
Unter anderem können Importeure dort:
- eine GEB beantragen,
- zugeteilte Kontingentsanteile prüfen,
- Kontingentsanteile verwalten,
- bestimmte Anträge stellen,
- an Versteigerungen teilnehmen,
- und relevante Produkt-Newsletter abonnieren.
4. Bewirtschaftungsperioden bei frischem Obst und Gemüse
Für zahlreiche Frischprodukte bestehen in der Schweiz Bewirtschaftungsperioden während der Hauptabsatzzeit der Schweizer Produktion.
Während solcher Perioden kann das BLW auf Antrag der Branche Importmengen zu tieferen Zollansätzen freigeben, wenn das Schweizer Angebot die Nachfrage nicht ausreichend deckt.
Diese freigegebenen Mengen werden als Zollkontingentsteilmengen bezeichnet.
5. KZA und AKZA
Im Schweizer Agrarimport wird zwischen dem Kontingentszollansatz und dem Ausserkontingentszollansatz unterschieden.
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| KZA | Kontingentszollansatz – der Zollansatz für Einfuhren, die unter die entsprechende Kontingentsregelung fallen. |
| AKZA | Ausserkontingentszollansatz – der Zollansatz für Ware, die ausserhalb eines verfügbaren Kontingents eingeführt wird. |
Welcher Ansatz für eine konkrete Sendung relevant ist, muss anhand des Produkts, der Tarifnummer und der aktuellen Importsituation geprüft werden.
6. Tarifnummer mit Tares prüfen
Die Zolltarifnummer ist eine der wichtigsten Angaben für eine korrekte Importprüfung. Sie bestimmt unter anderem, welche Bewilligungen oder Zollansätze für das jeweilige Produkt relevant sind.
Das Bundesamt für Landwirtschaft verweist hierfür auf den elektronischen Schweizer Gebrauchstarif Tares.
7. Kartoffeln sind ein Sonderfall
Kartoffeln sollten bei einer Importkalkulation nicht einfach wie normales Frischgemüse behandelt werden. Für Kartoffeln und Kartoffelprodukte besteht das Schweizer Zollkontingent Nr. 14.
Dieses ist wiederum in mehrere Teilzollkontingente aufgeteilt, unter anderem für Saatkartoffeln, Veredelungskartoffeln, Speisekartoffeln und Kartoffelprodukte.
Für Speisekartoffeln besteht ein eigenes jährliches Teilzollkontingent und eine eigene Zuteilungslogik. Entsprechend sollte ein konkretes Kartoffelprojekt separat geprüft werden.
8. Beschaffung und Import sind zwei verschiedene Aufgaben
Ein Produzent in Polen kann eine Ware verfügbar haben, ohne dass damit automatisch geklärt ist, wie sie wirtschaftlich in die Schweiz eingeführt werden kann.
Eine professionelle Beschaffung sollte deshalb beide Ebenen parallel berücksichtigen:
- Passende Ware und Lieferanten identifizieren.
- Produktspezifikation bestätigen.
- Preis und Verpackung vergleichen.
- Tarifnummer prüfen.
- GEB-Pflicht prüfen.
- Aktuelle Kontingent- beziehungsweise Importsituation prüfen.
- Transport und Lieferbedingungen kalkulieren.
- Gesamtkosten bis zum Schweizer Lieferort vergleichen.
9. Welche Angaben sollte eine RFQ enthalten?
| Angabe | Beispiel |
|---|---|
| Produkt | Champignons weiss |
| Qualität | Handelsklasse / gewünschte Spezifikation |
| Kaliber | Gewünschter Bereich |
| Verpackung | Schale, Karton oder Grossgebinde |
| Menge | 10 Paletten pro Woche |
| Lieferort | Zürich, Schweiz |
| Termin | Gewünschte Kalenderwoche |
| Zertifizierung | Bio / konventionell / kundenspezifische Anforderungen |
Sie suchen Obst oder Gemüse aus Polen?
Krawczyk Fresh unterstützt Schweizer Geschäftskunden bei der Suche nach passenden polnischen Erzeugern und Packbetrieben. Senden Sie uns Produkt, Spezifikation, Menge und gewünschten Liefertermin.
Beschaffung anfragen10. Vor jeder realen Einfuhr aktuell prüfen
Kontingente, Freigaben und anwendbare Importbedingungen können sich ändern. Deshalb sollte ein Leitfaden wie dieser zur Vorbereitung dienen – nicht als Ersatz für die konkrete Prüfung einer Sendung.
Vor einer Bestellung sollten die aktuellen Angaben des Bundesamts für Landwirtschaft und des Bundesamts für Zoll und Grenzsicherheit geprüft werden.
Dieser Guide dient der allgemeinen Orientierung für professionelle Einkäufer und stellt keine verbindliche Zoll-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Die jeweils aktuellen offiziellen Angaben von BLW und BAZG sind massgebend.